Glückseligkeit auf den zweiten Blick

Guten Abend,
ich habe mich lange nicht gemeldet. Die Zeit fliegt und scheint gleichzeitig zu stagnieren. Meine Füße stecken im Morast und das obwohl ich mit aller Kraft daran ziehe.

Täglich plane und konstruiere ich Angebote für die Kita. Täglich werden mir neue Aufgaben aufgedrückt, die ich mal eben in meiner Pause oder Abends erledigen soll. So viele der Aufgaben vergesse ich nach kurzer Zeit, da ich nicht dazu kam sie mir aufzuschreiben. Ich habe das Gefühl für drei denken zu müssen. Für die Kinder, für meine Anleiterin und für mich. Nur das ich hierbei leider in letzter Zeit viel zu kurz kam. Anforderungen meiner Anleiterin und der Kinder schiebe ich über meine Bedürfnisse und Aufgaben. Täglich nehme ich mir vor, etwas für MEINE Facharbeit zu schaffen, eine Beobachtung endlich zu Ende zu dokumentieren oder mich auf meinen ersten Elternabend vorzubereiten. Am Ende des Tages habe ich vielleicht gerade einmal meine Anleiterin zufrieden stellen können, mich aber nicht um meine Facharbeit gekümmert.
In meiner Pause schaffe ich soviel Dinge gleichzeitig: Essen, Drucken und kopieren, laminieren, Recherchieren im Internet, Bodengänge, Bastelarbeiten, zwischendurch natürlich noch ein ganzes Projekt planen, oder einen Elternabend aus dem Boden stampfen. Ich bin kreativ und müde, schaffe es aber trotzdem.
Auf die Frage "Wo warst du kurz vor 14 Uhr, warum kommst du zu spät?", hätte ich gerne geantwortet "Irgendwo zwischen Papierhaufen, Gedankenfetzen, zwischen hungrig und appetitlos, zwischen Hellwach und schläfrig. Nur nicht da wo ich hätte sein sollen: bei MEINER FACHARBEIT." Stattdessen entschuldigte ich mich und begann gestresst meine Arbeit.

Stolz könnte ich sein, wenn mich das Gefühl von Morast an meinen Beinen nicht einengen würde.
MEINE Aufgaben - eine Facharbeit, ein Ordner für die Schule, mehrere Prüfungen- verstauben im hintersten Gedankenregal.
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Abends, ich liege kaputt im Bett. So ist der Alltag als Berufspraktikant und es gibt keinen Grund zu meckern. DENN:

"Ich küsse dich jeden Morgen auf die Hand oder die Wange, ist dir das aufgefallen?" ein Junge strahlt mich früh um 7 Uhr an.
Ich nicke und fühle meine Brust anschwellen, vor GLÜCKSELIGKEIT.
Mit meiner freien Hand wuschele ich ihm über seinen Schopf, während ich mit der anderen Hand und beiden Füßen das Frühstück vorbereite.


Kindergeschrei, ein Turm kracht um, Bauklötze werden umhergeschmissen. Ich besänftige Kinder, während ich gleichzeitig eine Geschichte für die besonders anhänglichen vorlese. Mir wird eine Decke um die Beine gewickelt "Nimm bitte das Buch von deinem Schoß" Ich gehorchte dem Kind und ließ mir die Decke bis zum Bauch ausbreiten. Ich bedankte mich und mich erfüllte GLÜCKSELIGKEIT.

Einen Moment sah ich weg, ohne daran zu glauben was ich als nächstes sehen würde. Rabauke Nummer 1 räumt auf, ohne das ich etwas sagen musste. Ganz ruhig und zufrieden packte er die herumliegenden Eisenbahnteile in die dafür vorgesehene Aufbewahrungsbox.
Ich bat den Junge herzukommen. Bei mir angekommen nahm ich ihn in den Arm und flüsterte ihn ins Ohr, wie stolz ich auf ihn sei. Sein Lächeln und seine Zufriedenheit entlockte mir GLÜCKSELIGKEIT.


Nun wünsche ich euch genauso viel Glückseligkeit und einen entspannten Abend.
Eure Sarah

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